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"Jonathan Creek" folgt zwar in vieler Hinsicht den Krimi-Konventionen ist allerdings schon aufgrund des schwarzen Humors um einiges Unterhaltsamer als der Durchschnitts-Tatort.

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Bayreuth

Ungeheuerlichkeiten in tiefer Provinz: Drei Opern aus dem diesjährigen Repertoire der Bayreuther Wagner-Festspiele.

Bayreuth

Gerrit Noltensmeier

18 / 08 / 2011


(Hintergrundbild: 'Lohengrin', Copyright © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath.)

Wieder im Bann des alten Zauberers? Sommerliche Tage in Bayreuth: Festspielzeit.

Auf nach Bayreuth. Festspiele. Richard Wagner. Jahre des Bestellens der Karten, der Absagen, des Wartens sind vorbei. 3 Karten! Auf zum 'Grünen Hügel'. Ungeheuerlichkeiten in tiefer Provinz einst. Wieder? Wirkt der alte Zauber wieder– dieser unmögliche Typ mit der chaotischen Familie, die ihn beerbte. Der Revolutionär per Steckbrief gesucht, später wird er den König Ludwig von Bayern umschmeicheln. Er liebt den Luxus, kleidet sich in Samt und Seide. Ein Anarchist, aber wie soll man musizieren ohne Disziplin? Ein Kritiker des frühen, gierigen Kapitalismus, der zugleich ein ewiger, versierter Schnorrer ist. Der Nationalist, der Antisemit, der mit Juden befreundet ist, dessen Musik sie in Frankreich lieben. Ein Mensch halt in all seinen Widersprüchen: erbärmlich, eitel, borniert; und doch… was für eine Musik! Mythisch befrachtete Geschichten und zugleich visionär. Immer wieder aufbereitet, inszeniert, musiziert. Wieder Bayreuth.

Das ist auch die Stadt, in der Franz Liszt gestorben ist. Die Stadt des Jean Paul mit seinen irrlichternden, phantastischen Visionen. Die Stadt, in der die Schwiegertochter Wagners, Winifred, Adolf Hitler empfing. Onkel Wolf war er ihren Söhnen. Hat er sie geliebt? Sie ihn? Hitler hat Wagner geliebt. Erledigt das Wagners Musik? Das Israel Chamber Orchestra hat unlängst in Bayreuth Wagner gespielt. Daniel Barenboim, oft in Bayreuth gewesen, ist einer der großen Wagner Dirigenten unserer Zeit. Trotz des Verbotes dort hat er in Israel Wagner aufgeführt. Widersprüche fortgesetzt.

Bei Joachim Fest lese ich: "Wagner hatte alles in sich, was das Jahrhundert ausmachte: Die Untergangsahnungen und die Anbruchserwartungen, den Zerstörungshorror und die großen Imaginationen einer neuen und besseren Welt."

Wieder In Bayreuth. Dem alten Zauber erliegen?

*

Ein 'freier Tag'. In Bayreuth. Also früh in die Stadt. Um 9,15 Uhr die erste Führung im Markgräflichen Opernhaus. Intakt geblieben seit den Zeiten der Markgräfin Wilhelmine. Sie war eine Schwester Friedrichs des Großen. Das Haus ist eine Perle. Ich bin so früh der einzige Gast. Also eine knappe, individuelle Führung. Dann bin ich allein in dem Raum: Halbdunkel, Gold und Wappen, eine Bühne mit Bühnenbild, aufragende Logen. Es ist, als würden die irrlichternden Gestalten des Jean Paul im Halbdunkel lebendig, geisterhaft, da ist die Musik, die er geliebt hat, Klänge verschwommen nur. Die Bühne wird lebendig, der Zuschauerraum: Höfisches Zeremoniell, verstohlene Blicke… So früh am Morgen?

Der Spuk vergeht. Also hinaus, ins Tageslicht. Zum Jean Paul Platz. Da steht sein Denkmal nahe dem Stadttheater. Hier hat er gelebt. Hier ist er gestorben. Manchmal haben wir die Traumvision gelesen: "Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, dass kein Gott sei…"

Dann ins evangelische Gemeindehaus. Eine Kultstätte eigener Art in der Festspielzeit. Stefan Mickisch führt am Flügel in die Oper des Tages ein. Manche sagen, ihn Tag für Tag zu erleben, das seien Festspiele von eigener Qualität. Man muss es nicht übertreiben. Und doch: Es ist hinreißend. Virtuos und feinfühlig am Klavier, bissig und respektvoll, nachdenklich und heiter die Einführung. Vieles erschließt sich neu: Da sind Zitate von Bach und Beethoven bei Wagner, Brahms und Skriabin zitieren den Bayreuther Meister. Wir sind begeistert. Traumwelten- fast schon betreten.

Lohengrin gibt Autogramme. Reiferen Damen hauptsächlich. In der Markgräflichen Buchhandlung Signierstunde. Klaus F. Vogt. Er sei auf Erden derzeit der beste Lohengrin. Sagt man. Träume und Wirklichkeiten, große Oper und Lebenswirklichkeit, die Helden der Bühne und freundliche Menschen aus Fleisch und Blut- das verschwimmt. Auch das.

Am Nachmittag schon mal hinauf zum Festspielhaus. Fremde Wirklichkeiten mischen sich auch jetzt. Nach 15 Uhr schon hinauf zum Grünen Hügel! Festlich, manchmal gar ausgefallen verkleidet. Durch den Alltag einer Stadt in der fränkischen Provinz. Wie Karneval? Aber die andere, urbane, alltägliche Wirklichkeit verblasst, je näher man dem Grünen Hügel kommt. Auffahrt. Taxen rauschen eilig. Jetzt gilt das Geschäft! Dann am späteren Abend wieder. So im Pullover unter den Festspielgästen. Wer ist deplaziert in unserer Wirklichkeit? Die? Ich? Und doch bald schon werde ich einer von ihnen sein. Wird dann alle kritische Distanz überwunden sein?

Die Walhall Lounge ist neu. Und teuer. Sie ergänzt die Steigenberger Festival Restauration. Aber es gibt auch noch das Bürgerreuther Freiluft Anlagen Angebot: Bier und Brezen günstig. Urwüchsig. Und nebenan ein Kneippbecken für die nach Stunden in der Oper müde gewordenen Füße. Ein 'freier Tag' im Bayreuth der Festspieltage.

"So zieht das Unheil in dies Haus!"

Lohengrin in der Inszenierung von Hans Neuenfels

Manche, die sich im Festspielhaus einfinden - und manche sind ja schon älter- haben die Bilder der Inszenierung, die einst Werner Herzog für Bayreuth besorgt hatte, noch im Sinn. Gegenständlich und traumverloren zugleich. Die Grenze zum Kitsch gelegentlich berührend, überschreitend. Unvergesslich. Heute sind wir, so scheint es, in einer anderen Welt. Eine Generation später. Kann, darf es anders sein? Hans Neuenfels führt Regie. Im Mai ist er 70 geworden.

Die Szene ist geometrisch karg gehalten, schwarz-weiß Töne dominieren. Weißes Lederimitat an den Wänden. Der Boden glänzt metallisch. Die Schelde und das flandrische Ufer? Das Münster? Nichts davon. Eine Eiche mit 3 Blättern im Blumentopf. Natur, Tageszeiten- das alles scheint so fern. Der König? Haltlos, getrieben als Spielball anderer Mächte. Und die Edlen Flanderns-männlichen und weiblichen Geschlechtes? Ratten. Ratten? Neuenfels: "Die Ratte ein hochintelligentes Tier… ein gefährlicher, gefräßiger, ordinär sich vermehrender, so ekliger wie possierlicher Nager… Und sie kommen massenhaft vor."

Wir erleben das Gespenstische, Bedrohliche, das Niedliche, Schrille. Ratten mit all ihren Verwandlungen. Sind wir in einem gigantischen Labor? Da gibt es Hüter der Ordnung. Gelegentlich räumen sie auf. Pfeifen zurück. Gekleidet wie Laboranten. Oder wie die, die wir eben noch in den Meilern von Fukushima sahen. Vergebliches Mühen. Das ist fremd und überzeugt zugleich. Ja, auch so ist das Stück zu lesen. Kafkaesk. Grotesk. Und die Liebenden? Lohengrins Liebe hat von Anfang an etwas Besitzergreifendendes, Gewaltsames. Ist ja auch höchstens für ein Jahr, erfährt man später. Und Elsa? Sah man sie je so zerrissen? Sie entzieht sich fortgesetzt. Und die Umarmungen im Abschied sind voller Verzweiflung, voller Lust, die weiß, es ist vorbei. Das Brautgemach, zuvor, scheint dem ambitionierten Design eines postmodernen Schöner Wohnen Katalogs entnommen. Sie kommen dem Bett gemeinsam nie nahe. "Atmest du nicht mit mir die süßen Düfte?" (Lohengrin) Nichts davon, die atmet Elsa nicht, wir auch nicht. Haben sie sich je geliebt, diese beiden? Sind alle Beteuerungen der Liebe Zitate, die in diesen Wirklichkeiten befremden? Irgendwie abgestanden? Der Brautchor?! Von Ratten und Mäusen gesungen, andeutend grotesk getanzt. Wird er so denunziert? Oder in seiner Haltlosigkeit überführt?

Wenn Bayreuth Werkstatt ist, sein will, sein soll, bekommt dann jede Generation die Inszenierung, die sie sich gefallen lassen muss? Wir nun eben diese. Sie führt vor, was leicht übersehen sein mochte. Erfahrungen der Geschichte auch seitdem - bis in den Untergang der wie besoffen "Heil" singenden Ratten- da gibt es Comic Einspielungen; vielsagend; die verschiedenen Wahrheiten visualisierend in den Welten der Ratten. Und all dies ist im Stück, ergibt sich im Gespräch mit den Erfahrungen und Prägungen unserer Zeit. Nichts wird vermessen gegen das Stück inszeniert. Aber dann gibt es ein Mehr in dem Stück, hinter dem jede Inszenierung zurückbleibt. Zurückbleiben muss.

"Und wo bleibt der Trost, von dem Sie sprechen, die Therapie, das Heil, die Hoffnung…", fragen sie Neuenfels. Und der sagt: "Die Therapie ist das Musiktheater selbst." Sagen wir: Die Musik und das Theater. Es wird ja wunderbar musiziert. Andris Nelson dirigiert. Und der Chor! Die Protagonisten werden stürmisch gefeiert. Klaus Florian Vogt. Ein fast idealer Lohengrin. Er singt stellenweise betörend schön. Seine Stimme scheint an metallischer Strahlkraft gewonnen zu haben. Das Publikum ist enthusiastisch. Und Petra Lang als Ortrud. Glühend. Und die anderen. Und überhaupt: Die Musik. Sie erzählt mehr, als eine Inszenierung sagen kann. Elsa: "Es gibt ein Glück, das ohne Reu." Von wegen… Sagt die Inszenierung. Und sie hat Recht. Die Inszenierung hat nicht ganz Recht- sagt die Musik. "Gesegnet sollst du schreiten…". Rattengesänge. Sagt die Inszenierung. Genau. Nicht nur! Sagt die Musik. In Widersprüchen bewegen wir uns auch hier. Was denn sonst?

Morgen Parsifal. Nochmals in die Welten des Grals. Seltsame Welten. Geschichten, Musik: illusionslos heute und doch nicht ohne Zauber. Wäre es reizvoll gewesen, die beiden Opern - zeitweise nebeneinander im Spielplan - einem einzelnen Regisseur anzuvertrauen? Vielleicht. Der Gral. "Mein Vater Parsifal trägt seine Krone." Aber so weit sind wir im Parsifal zunächst noch nicht. Amfortas ist König. Wir werden einen Schritt zurückmachen in Wagners Alterswerk.

"Weißt du, was du sahst?"

Parsifal in der Inszenierung von Stefan Herheim

Wieder ist alles anders. Auch das ein Zeichen unserer Zeit? Wieder erinnern wir uns: Damals, als nach dem Zusammenbruch eines Reiches, das tausend Jahre bestehen wollte, nach einer Zukunft der Festspiele in Bayreuth gefragt wurde - konnte es sie geben?, hatten die Brüder Wieland und Wolfgang Wagner den Neuanfang kühn riskiert: Entrümpeln. Ballast abwerfen auf der Bühne. Alle Tümelei - weg damit. Fort mit den ideologischen Obsessionen im Fahrwasser des Nationalismus, des Nazismus. Konzentration. Eine Bildsprache wurde entwickelt, die mit kargen Symbolen mythische, archaische Vergangenheit, die zugleich in den Traumbildern der Seele immer Gegenwart ist, beschwor. Andeutungen nur. Licht.

Und heute? Ein bunter Bilderbogen, Freude an Details, Farben, Licht, Effekte, filmische Einspielungen. Wir sind vor und in Wahnfried, dem Heim der Wagners. Wir wandern durch deutsche Geschichte: angefangen in den Zeiten Wagners bis hin zum Plenarsaal des Bundestages in Bonn. Und die Überraschung: Es geht. Die Story des "Bühnenweihfestspiels" verschränkt sich mit den Wegen, auf die uns die Regie führt. Wagner und seine Rezeption. Ein Kind wird zum Mann und findet seine Bestimmung. Die Deutschen unterwegs durch ein Jahrhundert: Großbürgerliches Ambiente in Wahnfried, Weltkrieg I, Naziherrschaft, Zusammenbruch, Bonner Republik. Es geht, weil man auf die Musik achtet, ihre Rhythmen, Bewegungen, steigende und fallende Linien ernst nimmt.

Es ist eine hoch musikalische Inszenierung. Und oft auch kurzweilig. Was bei Parsifal Inszenierungen nicht immer gewollt ist oder gelingt. Ein Alterswerk von einiger Dauer. Es geht, weil Träume sich in diese Realitäten mischen, platt sind sie nie. Kann das der Norweger Herheim unbefangener als andere? Er kommt vom Marionettentheater. Ist man dort feinfühlig für Klänge und Gesten? Meine Vorbehalte gelten dem Schluss: Das Parlament im Bonner Plenarsaal. Da nun wird der Gral wieder enthüllt, da wird Erlösung dem Erlöser. Da? Wäre das nicht in den Ruinen, die nach dem Zusammenbruch geblieben waren, besser platziert gewesen, besser als im demokratischen Geschäft, in dem Heil und Erlösung gerade nicht mehr Sache der Politik sein sollen? Es geht, weil Geschichte erzählt und eben so nicht verdrängt wird. Es geht, weil Affinitäten zum Bedrohlichen, die im Werk stecken, offengelegt werden: der Gesang der Gralsritter im 1. Akt glich immer schon dumpfer Marschmusik; nun marschieren sie wirklich in den Untergang des Krieges. Es geht, weil die Musik selbst von naher und ferner Befreiung, Erlösung gar erzählt.

Und die Musik? Daniele Gatti dirigiert. Er entfaltet Wohlklang, gemessen. Die Erregung der Musik, auch im Parsifal, kommt verhalten daher. Da ist wieder der Chor! Und die Solisten? Unterschiedlich, ja sicher. Parsifal- Simon O`Neill, ein Heldentenor aus Neuseeland lässt überzeugend eindringliche Höhen vernehmen. Darunter, und da ist Parsifal viel, ist es unnuanciert, etwas quäkig. (Sollte man diesen Parsifal von gewichtiger Statur wirklich noch im 2. Akt im Matrosenanzug mit kurzen Hosen spielen lassen? Lächerlich?) Alles überragend Kwangchul Youn als Gurnemanz: Eine samten tiefe Stimme, souverän geführt-und in der Textverständlichkeit beispielhaft. Er wird enthusiastisch gefeiert.

Wissen wir, was wir sahen? Nicht alles haben wir kapiert. Im Parsifal noch nie. Es bleibt ein Werk, das Rätsel aufgibt. Aber vielleicht doch dies: Wenn der, der Befreiung bringt, der durch Mitleid wissende Tor ist, dann mögen wir hoffen, es könnte in den Wirren der Zeit das Mitleid, das die Wunden und Schmerzen nicht vergessen kann, Quelle erneuerten Lebens sein. Und die Welten des Bösen mögen auch in den Zaubergärten verirrter Sexualität zu finden sein, gelockt von den Versuchungen von Macht und Hass werden sie erst recht schnell betreten. Am Ende leuchtete eine sehr helle Taube auf das Publikum, und wir sahen in einen riesigen Spiegel. Ja, das haben wir verstanden.

Dies noch: Durch das Programmheft wurden wir an den Apostel Paulus erinnert: "Wir sehen jetzt in einen Spiegel in einem dunklen Wort. Dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich`s stückweise, dann aber werde ich erkennen, gleich wie ich erkannt bin." Und in diesem schönen Heft fanden wir auch Heiner Müller. Wir wollen ihn unseren Lesern nicht vorenthalten:

"Heut nacht durchschritt ich einen Wald im Traum…

… Aus dem Spalier

Der Fichten mir entgegen durch den Schnee

Trat klirrend träum ich seh ich was ich seh

Ein Kind in Rüstung Harnisch und Visier

Im Arm die Lanze deren Spitze blinkt

Die letzte Tagesspur ein goldner Strich

Hinter dem Traumwald der zum Sterben winkt

Und in dem Lidschlag zwischen Stoß und Stich

Sah mein Gesicht mich an: das Kind war ich."

*

"O König, das kann ich dir nicht sagen; und was du frägst, das kannst du nie erfahren…"

Tristan und Isolde in der Inszenierung von Christoph Marthaler

Tristan und Isolde. Manche sagen: Die Oper aller Opern. Eine tragische Geschichte um Treue und Verrat, Liebe und Täuschung, Sehnsucht, die erst im Tod erlöst wird. Eine Musik, die die Tür zur Musik eines kommenden Jahrhunderts bereits weit aufstößt. Wagner schreibt und komponiert in kürzester Zeit wie im Rausch, so scheint es, selbst (wieder einmal) tragisch verliebt in eine verheiratete Frau. Eine Liebe, die keine Zukunft haben wird.

Wir sehen eine Inszenierung, die die Story mit Bildern eines vergammelten Schiffes umgibt; wir werden mehrere Schichten sehen. Hässlich. Solche Räume würde man fliehen. Hier muss man sie ein paar lange Stunden aushalten. Die Akteure sind verkleidet-wieder bemerkenswert geschmacklos. Und Leidenschaften, Zorn? Isolde wirft Stühle um. Ihre treue Gefährtin Brangäne muss sie wieder aufstellen. Bis auch Kurwenal, der treue Gefährte Tristans, damit anfängt… Die Personenführung ist starr, einfallslos. Im 2. Akt: Oh, sink hernieder Nacht der Liebe… Da reicht es, die hässliche Deckenbeleuchtung (Neon, ja sicher) auszuschalten. Die Liebenden sitzen auf dem Bänkchen nebeneinander. Gönnen sich keinen Blick. Später singen sie, weit entfernt von einander an der Rampe. Wie in der Oper von einst. Desillusionierend. Einfallslos? Gegen die großen Gefühle jedenfalls.

Wieder erinnern wir uns: Vor Jahren, kurz vor seinem Tod, inszenierte Heiner Müller das Stück in Bayreuth. Kühl! So der Vorwurf damals. Und doch, welch suggestive Bilder: Auf dem Schiff ein Zelt, das Schiff vom weiten Meer umgeben, brüchige Geborgenheit auf großer Fahrt. Die Liebesnacht: Metallische Brustpanzer standen auf der Wiese im Blau der Nacht, hinderten die Liebenden, zueinander zu kommen, Symbole der Grenzen, an denen diese Liebe scheitert.

Und heute? Hässlichkeit, die dem Sujet nicht gerecht wird, Kühle, die nichts mehr sagt. Marthaler hat die Begleitung der Inszenierung an die Assistenz weitergegeben. So ist es in Bayreuth eigentlich nicht gemeint. Der 3. Akt gewinnt dann. Die ekstatische Raserei des sterbenden Tristan, der beseligte Liebestod der Isolde, nicht minder ekstatisch, lässt heraustreten aus den elenden äußeren Welten, lässt andere Welten mit ihrer verzweifelten, sich verströmenden Traurigkeit betreten. Siegt Wagner gegen eine unangemessene Inszenierung? Ja, er. Und die Sänger, der Bayreuther Neuling, Stefan Vinke, der einspringen musste, durfte, zumal: Er meistert diese 'mörderische' Partie bis zum Schluss mit Bravour. Andere auch. Und das Orchester, das Leidenschaft und Glut auflodern lässt, nicht verkommen lässt. Peter Schneider dirigiert (wie oft schon).

Wagner meinte einst von diesem Werk: "Vollständig gute Aufführungen müssen die Leute verrückt machen." Das bleibt uns in Bayreuth in diesem Jahr erspart. Sollen wir dafür dankbar sein? Aber schön war es (schließlich) doch.

*

Vorbei. Zurück. Im Banne des alten Zauberers? Nun wieder? Ja, der alte Zauber wirkt noch. Sehr. Aber in seinem Bann sind wir nicht. Und das ist gut so. Wir sind berührt, begeistert manchmal von großen Werken, großer Musik. Wir schämen uns dessen nicht. Obwohl ja manche… Wir sind sehr angesprochen von vielem, was wir gehört und gesehen haben. Und die Atmosphäre der Festspiele, in denen so viele Menschen auf das gemeinsame Erleben des einen Abends - lang, auf harten Sitzen - zugehen, tut das Ihre. Aber gebannt? Nein, das nicht. Mit Zustimmung, Begeisterung, mit Abstand und kritischem Vorbehalt. So soll es sein. Und so ist es in Bayreuth heute. Nehmt alles nur in allem.

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